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FREIWILLIGKEITS-ERKLÄRUNG

FREIWILLIGKEITS-ERKLÄRUNG FÜR TEAMMITGLIEDER DER GEA-SUCH- UND RETTUNGSGRUPPE  
Als ein freiwilliger Teilnehmer der Einsätze GEA-Such- und Rettungsgruppe verpflichte ich mich hiermit, mich an die unten angeführten Regeln und Verpflichtungen zu halten:

1-   HAUPTKRITERIEN:

1-   Ich werde nicht zwischen Religion, Sprache, Geschlecht, sozialem Status und politischer Ansicht unterscheiden.

2-   Ich werde die freiwilligen Aufgaben nicht dazu erfüllen, um mich selbst zu damit zu befriedigen.

3-   Ich werde eine Leistung bzw. ein Material, das ich für mich und meine Angehörigen (meinem Partner, meinem Freund, meinem Kind, …) für ungeeignet halte, auch anderen Personen nicht zuführen.

4-   Ich werde das Selbstvertrauen der Person, der ich helfe, nicht schädigen.

5-   Ich werde auf die Psyche der Person, der ich helfe, Rücksicht nehmen und mein Verhalten demnach richten.

6-   Nicht nur was gegeben wird, ist von Bedeutung, sondern auch wie es gegeben wird. Ich werde darauf achten.

2-   FÜR TEAMMITGLIEDER:

  1. Bei einem EINSATZ (Such- und Rettungseinsatz, ökologische Einsätze und Einsätze für menschliche Hilfe) sind die Verantwortlichen der Koordinator und der Teamleiter. Ich werde mich an diese Regel halten.
  2. Während der Fortbewegung, bei der Arbeit unter den Trümmern und im Einsatzbereich werde ich mich jederzeit an die Anweisungen meins Gruppenleiters halten.
  3. Ich werde an den Besprechungen teilnehmen, die der Teamleiter und der Koordinator einberufen.
  4. In der beim Einsatz verbrachten Zeit kann nicht immer eine aktive Rolle übernommen werden. Manchmal muss man auch einfach nur warten, ohne unmittelbare Aufgaben zu verrichten. Die Rückkehr von Einsätzen ist zeitlich nicht festgelegt. (Man sollte den Einsatz mindestens für eine Woche einplanen.) Ich bin mir über diese Regeln im Klaren und werde gegenüber dem Teamkoordinator und gegenüber meinen Kameraden im Team nicht darauf bestehen, zurückzukehren.
  5. Ich werde Verhaltensweisen vermeiden, die den Einklang der Gruppe stören könnten.
  6. Bei den Such- und Rettungseinsätzen, sowie den Einsätzen für soziale Verantwortung der GEA werden die GEA-Uniformen getragen. Ich werde die Uniform ordnungsgemäß tragen. In der Uniform werde ich keine unangemessenen Verhaltensweisen aufzeigen (rauchen, unpassende Verhaltensweisen gegenüber anderen usw.).
  7. Ich werde jederzeit die persönliche Schutzkleidung mit mir führen und einsetzen.
  8. Ich werde meine Tages- und meine Camp-Tasche so vorbereiten, wie es in den Ausbildungen erläutert wird.
  9. Ich werde nicht vergessen, dass ich als freiwilliger Helfer persönliche Verantwortung trage. Ich werde mir im Klaren über meine Grenzen sein und in diesem Sinne alles mir Mögliche unternehmen. Wenn ich nicht in der Lage bin zu arbeiten, werde ich dies meinem Teamleiter mitteilen. Ich werde mich ausruhen, wenn es erforderlich ist.

10. Ich werde in den Trümmerbereich keine Abfälle werfen.

11. Ich werde nicht kritisieren, nicht hinterher reden, nicht meckern, mich mit keinen meiner Teamkollegen bzw. mit Dritten streiten.

12. Außer den dafür bestimmten Personen ist es im Einsatzgebiet verboten, Foto- und Videoaufnahmen zu machen. Ich werde mich an diese Regel halten.

13. Wenn mir Fotos vom Gebiet in die Hände gelangen sollten, werde ich diese Fotos nicht in Webforen wie Facebook, Twitter usw. veröffentlichen.

14. Ich werde keine Informationen über Personen einholen, denen ich im Rahmen meiner freiwilligen Aufgabe geholfen habe und ich werde mit ihnen nach meinem freiwilligen Einsatz keine Beziehungen knüpfen.

15. Ich werde die Personalien der Opfer an keine Instanzen weitergeben, ohne deren Einverständnis einzuholen.

16. Ich werde aus dem Katastrophengebiet keinerlei Informationen an dritte Personen weiterleiten.

17. Presseerklärungen und Beziehungen zu Medien werden ausschließlich vom Teamleiter durchgeführt. Ich werde an andere und an Medien keine Informationen, als die gemeinsam zur Bekanntmachung bestimmten, weiterleiten.

18. Ich werde auf meine seelische und physische Gesundheit achten.

19. Da ich an den Such- und Rettungseinsätzen aus meinem freien Willen teilnehme, werde ich Dritte nicht beschuldigen, wenn ich bei den Einsätzen in irgendeiner Weise geschädigt werden sollte.

20. Ich werde meine eventuellen physischen und psychologischen Krankheiten melden.

21. Ich werde aus religiöser und sozialer Hinsicht prekäre Angelegenheiten (Bekleidung, Kultur, Essen usw.) beachten. Ich werde keinerlei Kommentare zu religiösen und politischen Sachverhalten machen.

3- BEZIEHUNGEN ZU DEN KATASTROPHENOPFERN:

a)   Was zu vermeiden ist

1.  Ich werde die Katastrophenopfer nicht wie Katastrophenopfer behandeln. Ich werde folgendes nicht sagen: „Ich mache das für Sie“, „Es tut mir sehr leid für Sie“. Derartige Aussagen können das Selbstvertrauen der Opfer beeinträchtigen. Ich werde die  Katastrophenopfer nicht mit Aussagen wie „Du kannst das überwinden“, „Wir werden das gemeinsam schaffen“ anzuspornen versuchen. Solche Sätze geben wir meistens von uns, wenn wir nicht wissen, was wir sagen sollen. Es kann Situationen geben, wo wir nicht ein und aus wissen aber dennoch sollten solche Sätze in jeder Situation vermieden werden.

2. Ich werde von den Katastrophenopfern nicht verlangen, dass sie mir ihre Erfahrungen detailliert schildern. Ich werde nicht nachzuvollziehen versuchen, was das Katastrophenopfer fühlt, was es durchgemacht hat und ich werde nicht versuchen, das von ihm erzählte zu einem Fazit zu führen. Denn ihn kann nur jemand verstehen, der selbst so etwas durchgemacht hat.

3. Ich werde nicht das Thema zu wechseln versuchen, während das Katastrophenopfer spricht.

4. Solange das Katastrophenopfer nicht nach unseren Erfahrungen fragt, werde ich ihm von meinen eigenen Erfahrungen- einleitend mit dem Satz „Ich verstehe was Sie fühlen“ – nicht erzählen. Auch wenn ich ähnliches erlebt haben sollte (wie z.B. eine Katastrophe, der Tod von Familienangehörigen) ist es das Allerwichtigste, ihm zuzuhören und zu versuchen seine Gefühle zu verstehen.

5. Ich werde das Katastrophenopfer nicht mit Aussagen wie „Die Zeit ist Medizin für alles“, „Warum versuchst du nicht an etwas anderes zu denken“, „Das ist Gottes Wille“ usw. zu besänftigen versuchen. Ich bin mir dessen bewusst, dass derartige Aussagen bei einem zutiefst traurigen Menschen nichts nützen werden.

6. Ich werde dem Katastrophenopfer keine Empfehlungen machen, solange er keine verlangt.

7. Ich werde keine Versprechen machen, die ich nicht halten kann, und ich werde keine Informationen weitergeben, die nicht bestätigt sind.

8. Ich werde nicht davon ausgehen, dass die Trauer des Katastrophenopfers mit der Zeit schwinden wird. Ich bin mir darüber im Klaren, dass die Überwindung solcher Situationen viel länger Zeit in Anspruch nimmt, als angenommen.

9. Ich werde nicht von den Hilfsgütern Gebrauch machen, die für die Katastrophenopfer bestimmt sind.

10. Ich werde von den Katastrophenopfern keine Angaben zu ihren Personalien einholen.

11. Ich werde mit den Katastrophenopfern im Nachhinein keine persönlichen Kontakte knüpfen.

12. Ich werde keine Verhaltensweisen vorlegen, die zwischen den Katastrophenopfern und den anderen freiwillig arbeitenden Helfern Schwierigkeiten bereiten, stören bzw. zu Zweifeln führen können.

13. Ich werde folgende Sachen in keinem Falle mit mir führen: MILITÄRISCHES MATERIAL, WAFFEN, ALKOHOL, REZEPTPFLICHTIGE MEDIKAMENTE.

14. Was ich in mäßigen Mengen bei mir führen darf: Rezeptpflichtige Medikamente

15. Was ich unbedingt bei mir führen sollte: die persönlichen GEA-Gegenstände, Reisepass und Führerschein.

b)   Zu beachtende Punkte

1. Während ich dem Katastrophenopfer zuhöre, werde ich mich darauf konzentrieren, was er möchte und was er zu sagen versucht. Ich werde mir Gedanken darüber machen, wie ich ihn unterstützen kann. Wenn es etwas gibt, was ich für sein alltägliches Leben tun kann, werde ich danach fragen, wie ich ihm behilflich sein kann. Es kann für mich vielfältige Möglichkeiten geben, ihn zu unterstützen. (So z.B.: ihm etwas zu beschaffen, was er möchte, in Erfahrung bringen, ob seine Familienangehörigen bzw. Freunde noch am Leben sind, auf seine Kinder aufpassen, bei Dokumentenangelegenheiten behilflich sein, Reparaturarbeiten usw.). Auf die physischen Bedürfnisse des Katastrophenopfers einzugehen, kann ein Anfang für seine geistige Heilung werden.

2. Ich werde je nach den Bedürfnissen im Katastrophengebiet Hilfe zu leisten versuchen. Auch wenn ich im Katastrophengebiet keine Hilfe leisten kann, wie ich es mir vorgestellt habe, werde ich weiterhin behilflich sein.

3. Ich werde mir immer vor Augen halten, dass meine Hilfe und Unterstützung nur für kurze Zeit erfolgen können. Ich weiß, dass die meisten der Katastrophenopfer gegenüber anderen einen Widerstand aufbauen können. Wenn sie nicht sprechen möchten, werde ich sie alleine lassen.

4. Manche Menschen möchten ihre Gefühle nicht offenbaren, und manche Menschen können nur weinen, wenn sie alleine sind. Dass Menschen nicht weinen, bedeutet nicht, dass sie nicht traurig sind, ich bin mir dessen bewusst.

5. Die Katastrophenopfer können Fragen wie z.B. „Wie kann ich ab jetzt mein Leben fortführen“ stellen. Das bedeutet nicht, dass sie von mir eine Antwort bzw. eine Lösung erwarten. Bei ihnen zu sein und ihnen zuzuhören ist eine große Hilfe, ich bin mir dessen bewusst.

6. Es kann vorkommen, dass Katastrophenopfer mir ihre persönliche Geschichte  erzählen möchten. Aber ich muss wissen, was ich den Katastrophenopfern erzählen und verschweigen sollte. Der erste Schritt bei der Hilfe ist der Aufbau einer auf Vertrauen basierenden Beziehung. Ich bin mir darüber im Klaren.

7. Mit der Zeit können die Katastrophenopfer wütend werden und ihren Mitmenschen in ihrer Umgebung zeigen, dass sie unzufrieden sind. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie mich beschuldigen. Sie äußern nur ihre Trauer und die Schwierigkeit ihrer Situation. Experten haben oft Schwierigkeiten, bei solchen Situationen einzugreifen. Ich werde dieses Verhalten der Katastrophenopfer nicht zu kritisieren bzw. nicht zu übersehen versuchen, sondern einfach hinnehmen. Danach kann ich ihnen Fragen über ihre weiteren Probleme stellen.

8. Ich werde soweit es geht mit einsamen Katastrophenopfern und Kindern zu sprechen versuchen.

9. Kinder können fröhlich aussehen, aber es kann sein, dass sie ihre Gefühle vor den Menschen und vor der eigenen Familie verbergen. Ich werde versuchen, eine Situation zu schaffen, als ob das alltägliche Leben ungestört weiterlaufen würde, und werde sie beobachten.

10. Ich werde mit den Kindern auf eine für sie verständliche Weise sprechen. Ich werde warten, bis die Kinder zu sprechen beginnen und werde dann den Dialog zu steuern versuchen. Es ist wichtiger, zu verstehen was sie fühlen, als viel zu reden, dessen bin ich mir bewusst.

11. Ich werde nicht lügen. Auch wenn es eine schwierige Phase ist, werde ich den Kindern die Lage zu erläutern versuchen, ohne sie zu beängstigen.

12. Bei der Unterstützung der Kinder ist es auch sehr wichtig, zugleich ihre Eltern zu unterstützen. Einen Ort zu schaffen, wo sich  Eltern ausruhen können, wird ihre Gefühlslage verbessern, und somit auch den Kindern gut tun. Ich bin mir dessen bewusst.

13. Als ein freiwilliger Helfer ist es für mich sehr wichtig, meine physische und seelische Gesundheit zu wahren. Ich werde mich nicht überfordern, ich werde mich nicht erschöpfen. Im Allgemeinen tendieren Helfer in Katastrophengebieten dazu, sich zu überarbeiten. Der Grund dafür ist ihre persönliche Unzufriedenheit mit der Situation bzw. ihr Wunsch zu helfen.

14. Ich bin mir dessen bewusst, dass die Sorge um Menschen mit schlechtem geistigen Zustand mich strapazieren wird. Ich werde erforderlichenfalls Pausen einlegen.